Raman-Spektroskopie

© Fraunhofer IPM
Abbildung 1: Die Abbildung zeigt ein Raman-Spektrum von Paracetamol. Es demonstriert die hohe Informationsdichte der Spektren. Diese ist Voraussetzung für die zuverlässige Identifikation von chemischen Stoffen oder die Bestimmung der Reinstoff-Konzentrationen in komplexen Mischungen.
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Abbildung 2: Raman-Spektren der Gase Wasserstoff, Methan, und Stickstoff (mit Offset dargestellt). Insbesondere die homonuklearen Gase Stickstoff und Wasserstoff sind mit konventionellen spektroskopischen Verfahren nicht detektierbar. Die Raman-Spektroskopie bietet hier die einzigartige Möglichkeit der kompletten Erfassung eines Gasgemisches mit einer einzigen Technik.

Ein spektroskopischer Fingerabdruck identifiziert chemische Stoffe

Die Raman-Spektrosopie liefert als schwingungs-spektroskopische Methode ähnlich detaillierte Spektren von chemischen Stoffen wie die Infrarot-Spektroskopie. Anders als ein IR-Spektrometer nimmt ein Raman-Spektrometer diese Informationen aber im sichtbaren Spektralbereich auf und umgeht so die besonderen Herausforderungen der Messung im Infraroten. Die Abbildung 1 zeigt ein Raman-Spektrum von Paracetamol und demonstriert die hohe Informationsdichte der Spektren. Sie ist Voraussetzung für die zuverlässige Identifikation von chemischen Stoffen oder die Bestimmung der Reinstoff-Konzentrationen in komplexen Mischungen.

Insbesondere für die Prozess-Messtechnik bietet die Raman-Spektroskopie diverse Vorteile gegenüber anderen verbreiteten Verfahren:

  • Hohe Informationsdichte im Vergleich zu NIR- und UV/Vis-Spektroskopie
  • Kopplung des Raman-Effekts an die Polarisierbarkeit von Molekülen und nicht an deren Dipolmoment (wie die IR-Absorption), sodass homo-nukleare Moleküle wie N2, H2, O2 detektiert werden können
  • Messung von nicht-polaren Gruppen (-S-S-, -C-S-, -C=C-) problemlos möglich
  • Problemlose Messung in wässrigen Medien (im Gegensatz zur IR-Spektroskopie)
  • Messung im sichtbaren Spektralbereich, keine aufwändigen optischen Komponenten
  • Inline-Messung: nur ein Zugangspunkt nötig, Messung in Rückstreugeometrie (im Gegensatz zu Transmissions-Spektroskopie)
  • Nutzung von optischen Fasern zur Lichtleitung über weite Strecken oder zur Parallelisierung möglich
  • Spektrometer ohne bewegliche Teile
  • Einfache Messung auch im Spektralbereich deutlich unterhalb von 1000 1/cm, bspw. zur Detektion schwacher Bindungen, bis hinunter zu Wasserstoffbrücken

Der Einsatz der Raman-Spektroskopie bringt allerdings auch zahlreiche Herausforderungen mit sich. Vor allem der geringe Wirkungsquerschnitt bei der Wechselwirkung mit Molekülen erhöht den technischen Aufwand, sodass je nach Einsatz Kosten und Nutzen abgewogen werden müssen.

Raman-Spektroskopie an Gasen

Die Raman-Spektroskopie ist eine vergleichsweise aufwändige Methode, da sie hochwertige Komponenten wie leistungsstarke Laser und gekühlte Kameras erfordert. Das Grundproblem: Der Raman-Effekt ist äußerst unwahrscheinlich – es werden nur sehr wenige Photonen inelastisch gestreut, die detektiert werden können. Besonders herausfordernd ist dies bei Gasen, deren Teilchendichte typischerweise um einen Faktor 1000 geringer ist als bei Flüssigkeiten oder Festkörpern. Dennoch bietet die Raman-Spektroskopie gerade bei der Analyse von Gasen entscheidende Vorteile gegenüber anderen Methoden, wie etwa der Infrarot-Spektroskopie. Sie ermöglicht wie in Abbildung 2 dargestellt die Detektion homonuklearer Gase wie Stickstoff (N₂), Wasserstoff (H₂) und Sauerstoff (O₂), die mit anderen spektroskopischen Verfahren oft nicht oder nur schwer nachweisbar sind. Prinzipiell können mit der Raman-Spektroskopie alle im Gasgemisch vorhandenen Gase gleichzeitig detektiert werden – ohne zusätzliche Hilfssensorik für z. B. Stickstoff oder Wasserstoff.

Am Fraunhofer IPM haben wir einen einfachen und preiswerten Raman-Sensor für Wasserstoff entwickelt. Sehen Sie hier mehr dazu.

Fraunhofer IPM hat jahrelange Erfahrung in der Auslegung und im Aufbau von Raman-Messsystemen und bietet Unterstützung bei der Auslegung von Messsystemen, der Anpassung kommerzieller Spektrometer an Kunden-Vorgaben oder bei der Entwicklung spezieller Raman-Systeme. Unser Leistungsspektrum umfasst die gesamte Projektkette von der Simulation und Abschätzung der Performanz, über den Aufbau und Test des Messsystems bis hin zu Datenverarbeitung, Chemometrie und Verarbeitungs-Software.

Publikationen »Raman-Spektroskopie«

Jahr
Year
Titel/Autor:in
Title/Author
Publikationstyp
Publication Type
2019 Verstärkung des Raman-Streueffektes in komplexen Gasgemischen
Sandfort, Vincenz
Dissertation
Doctoral Thesis
2018 Cavity-enhanced raman spectroscopy for food chain management
Sandfort, Vincenz; Goldschmidt, Jens; Wöllenstein, Jürgen; Palzer, Stefan
Zeitschriftenaufsatz
Journal Article
2018 One quantum sensor for all gases: Cavity-enhanced Raman spectroscopy for food-chain monitoring
Sandfort, Vincenz; Goldschmidt, Jens; Wöllenstein, Jürgen; Palzer, Stefan
Konferenzbeitrag
Conference Paper
2018 Enhancement techniques to improve Raman spectroscopy of gases
Palzer, Stefan; Sandfort, Vincenz; Goldschmidt, Jens; Wöllenstein, Jürgen
Konferenzbeitrag
Conference Paper
2017 Monitoring the Wobbe index of natural gas using fiber-enhanced raman spectroscopy
Sandfort, Vincenz; Trabold, Barbara M.; Abdolvand, Amir; Bolwien, Carsten; Russell, Philip S.J.; Wöllenstein, Jürgen; Palzer, Stefan
Zeitschriftenaufsatz
Journal Article
Diese Liste ist ein Auszug aus der Publikationsplattform Fraunhofer-Publica

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