Joseph-von-Fraunhofer-Preis 2014 geht an Fraunhofer IPM und Hübner

Presseinformation / 21.5.2014

Prof. Dr. René Beigang von Fraunhofer IPM und Dipl.-Ing. Thorsten Sprenger von der Kasseler Firma Hübner GmbH & Co. KG erhalten einen der diesjährigen drei Fraunhofer-Preise. Ausgezeichnet wurden sie für die Entwicklung des Postscanners »T-COGNITION«, der Gefahrenstoffe in Postsendungen identifiziert, ohne dass diese geöffnet werden müssen. Möglich wird dies durch die Anwendung der noch relativ jungen Terahertz-Technologie.

© Dirk Mahler/Fraunhofer

Professor René Beigang (links) und Thorsten Sprenger entwickelten den Postscanner gemeinsam mit ihren jeweiligen Teams.

Harmloser Umschlag oder Briefbombe? In den Poststellen großer Unternehmen, Behörden, Justizvollzugsanstalten oder Botschaften stellt sich diese Frage täglich. »T-COGNITION«, gemeinsam entwickelt von Professor Dr. René Beigang und Dipl.-Ing. Thorsten Sprenger mit ihren jeweiligen Teams, bietet nun einen zuverlässigen Sicherheitscheck für Postsendungen, der das Briefgeheimnis wahrt. Die Handhabung des Geräts ist einfach: Über eine Klappe wird ein Brief in das Messgerät eingeführt. Terahertz-Wellen durchleuchten diesen. Je nachdem, auf welche Stoffe die Wellen treffen, werden bestimmte Bereiche mehr oder weniger absorbiert. Die Wellenanteile, die das Poststück ungehindert durchqueren, werden dann von Detektoren aufgefangen. »Innerhalb weniger Sekunden erfasst das Gerät den spektroskopischen Fingerabdruck des Gefahrenstoffs und kann ihn durch den Abgleich mit einer Datenbank sicher identifizieren«, erläutert Thorsten Sprenger, Leiter der Bereiche Public Security und Photonics bei Hübner. Enthält ein Brief Sprengstoffe oder Drogen, schlägt das System Alarm. Das Gerät ist in der Lage, den Inhalt von Postsendungen bis zum Format C4 und mit maximal 2 Zentimetern Dicke zu prüfen. »Es ist für Poststellen von Justizvollzugsanstalten, Zoll, Behörden, Firmen und Botschaften sehr interessant. Es hilft, die Sicherheit zu erhöhen sowie Menschenleben zu schützen«, sagt Sprenger.

Terahertz: Technologie mit großem Potenzial

»Im elektromagnetischen Spektrum liegt der Terahertz-Bereich zwischen Mikrowellen und Infrarot. Er vereint die Vorteile von beiden«, erläutert René Beigang von Fraunhofer IPM. Energiearme Terahertz-Wellen können – ähnlich wie Mikrowellen – Papier, Holz, leichte Bekleidung, Kunststoff und Keramik problemlos durchdringen. Zudem erzeugen Terahertz-Wellen, je nachdem, auf welche Stoffe sie treffen, charakteristische Spektren, die sich mithilfe intelligenter Software schnell analysieren lassen. Ein weiterer Vorteil: Terahertz-Wellen sind nicht ionisierend und für den Menschen ungefährlich – im Gegensatz zur Röntgenstrahlung. Das macht die Wellen für den Einsatz in Postscannern besonders interessant.

Die Terahertz-Technologie ist noch recht jung. Bislang gibt es nur wenige Anwendungen. Das will die vom Land Rheinland-Pfalz und dem Fraunhofer IPM zunächst als Projektgruppe gegründete Abteilung »Materialcharakterisierung und -prüfung« in Kaiserslautern ändern.

»Unser Ziel ist es, die Terahertz-Technologie auch für den Sicherheitsbereich industriereif zu machen«, betont Prof. Beigang. Schnell wurde die Firma Hübner auf die Arbeiten der Projektgruppe aufmerksam. Das Unternehmen, das traditionell Fahrzeugkomponenten und -systeme für Busse, Straßenbahnen sowie Nah- und Fernverkehrszüge herstellt, baut seit einigen Jahren neue vielversprechende Geschäftsfelder auf – so auch den Bereich Public Security. 2006 startete die erste Kooperation mit Fraunhofer IPM. Vier Jahre später begannen die Arbeiten am Postscanner. Mittlerweile hat das Unternehmen den Postscanner »T-COGNITION« auf den Markt gebracht.

Auf dem internationalen Kongress »Photonics West 2014« in San Francisco wurde »T-COGNITION« mit dem Prism Award, dem Photonics-OSCAR, ausgezeichnet.

 Hintergrund: Joseph-von-Fraunhofer-Preis – Forschen für die Praxis

Seit 1978 verleiht die Fraunhofer-Gesellschaft jährlich Preise für herausragende wissenschaftliche Leistungen ihrer Mitarbeiter, die anwendungsnahe Probleme lösen. Mehr als 200 Forscherinnen und Forscher haben diesen Preis inzwischen gewonnen.